Mittwoch, 23. August 2017

Schachcomputer SC 1

Mit diesem schlichten Namen schmückt sich eine echte Rarität: Der Schachcomputer SC 1 wurde als Prototyp entwickelt und ist, wie der Name andeutet, der erste Schachcomputer aus der DDR. Produziert wurden insgesamt nur 12 bis max. 20 Stück von der VEB Mikroelektronik "Karl Marx" Erfurt. Er sollte als Vorläufer eines Schachcomputers für den Massenmarkt dienen und war als reines Testmodell konzipiert. Mit den Testern des SC1 wurden spezielle "Erprobungsverträge" für ein Jahr abgeschlossen, in denen die Modalitäten festgelegt wurden. Erst danach konnte der Tester den SC1 käuflich erwerben. Schön nachzulesen und ausführlich dokumentiert ist dies auf der Seite von Mike Watters - siehe VEB Erfurt SC-1.

Der SC1 kommt mit einem satten Gewicht daher. Außen mit einem Vollholzrahmen und einer Abdeckplatte aus Aluminiumblech ausgestattet, innen mit einer schwer bestückten Platine. Die Holzfiguren besitzen starke Magnete - wie auch alle Nachfolger aus DDR-Produktion. Zur Ausstattung des SC1 gehört ein passender Attache-Koffer und ein schweres Netzteil. Die Zuganzeige erfolgt über eine orangene Segmentanzeige, dabei wird jeder Zug durch einen lauten Signalton quittiert. Die Tasten für die Zugeingabe haben einen satten Druckpunkt und wirken zierlich. Welches Schachprogramm im Inneren des SC1 tickt, zeigt sich sobald der Rechner nachdenkt. In der Anzeige blinken die typischen "oo oo" Elemente der frühen Fidelity-Geräte. Es wurde also ein Programm von Ron Nelson verbaut; eine Raubkopie des Fidelity Chess Challenger 10 C wie Tests ergeben haben.

Der SC1-Prototyp fand schnell Zustimmung bei den Verantwortlichen und man entwickelte nun ein preiswertes Modell für den Massenmarkt - den in großen Stückzahlen verkauften SC-2. Die wenigen Protoypen des SC-1 wurden teilweise ob der damals teuren Chips ausgeschlachtet und es gibt nur noch ganz wenige Stücke.

Donnerstag, 17. August 2017

Fidelity Sensory 12 Armada

1984 entwickelte Fidelity ein neues Konzept, um die Programme aus den teuren Elite A/S-Weltmeistergeräten in anderen Gehäusen zu vermarkten. Die Fidelity Chess Challenger 12-Serie. Vor allem durch den Erfolg des preiswerteren Novag Super Constellation, musste Fidelity reagieren und in gleicher Preisklasse etwas entgegensetzen. Genauso wie beim Super-Conny wählte man für den Sensory 12 eine Bedienung über Drucksensoren und die Zuganzeige mit 16 Rand-LEDs. Optisch veredelt durch einen Vollholzrahmen, ähnlich dem Elite A/S. Die passenden Holzfiguren hatte man direkt von der vorherigen Chess Challenger Sensory-Serie übernommen. Zusätzlich spendierte man dem "SC12" einen Druckeranschluss und einen Slot für die bekannten Eröffnungsmodule.

Der erste Wurf war im Herbst 1984 der Fidelity Sensory 12 (A). Ausgestattet mit dem - leicht verbesserten - Weltmeisterprogramm vom Elite A/S Budapest aus dem Vorjahr. So steht es auch in großen Lettern auf der metallenen Sensorplatte: 1983 WORLD CHAMPION MICROCOMPUTER PROGRAM. Getaktet mit 3 MHz.

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft gab es bereits eine neue Version: Den Fidelity Sensory 12 Special Edition - kurz "SE12". Optisch und vom Programm identisch, jetzt aber mit 3,6(!) MHz getaktet. Damals war selbst eine Anhebung des Taktes hinter dem Komma ein Verkaufsargument. Die Holzfiguren wurden bei dieser Edition - die mW nur in den USA vermarktet wurde - gegen Plastikmodelle der Chess Challenger Sensory-Serie getauscht.

Kurz nach dem Jahreswechsel stand bereits ein Nachfolger in den Regalen: Der Fidelity Sensory 12 B. Hier wurde definitiv ein anderes Programm verbaut als in den Vorgängern. Ob es Ähnlichkeit mit dem des Elite A/S Glasgow hat oder komplett eigenständig ist, ist unklar. Es gab zwei Varianten der "B-Version". Eine hat einen durchgehenden, schwarz eingefärbten Balken mit inversem Schriftzug auf der Metallplatte, eine andere ist optisch bis auf das "B" und den fehlenden Hinweis auf den Weltmeistertitel 1983, identisch zur "A"-Version. Die Taktrate war ebenfalls unterschiedlich, entweder mit 3 oder 4 MHz getaktet.

Die letzte Auflage der Serie brachte Fidelity mit dem Modell "SX12", nun mit sagenhaften 5 MHz getaktet wurde es kein großer Erfolg mehr. Mittlerweile lief die Konkurrenz den Fidelitys den Rang ab und auch firmenintern war eine neue Reihe in der Startphase. Durch den für Fidelity verhängnisvoll starken Dollar, musste man wesentlich billiger produzieren für den Export. Die Preisbomber wurden geboren, doch das ist eine andere Geschichte.

Um die verschiedenen Sensory 12-Modelle zu unterscheiden, habe ich diese dem Colditz-Test unterzogen.

Sensory 12 (A): ELO 1870, Stellung Nr. 11: (Dxf4) = 06:15 Min.
Sensory 12 B: ELO 1900, Stellung Nr. 11: (Dxf4) = 04:42 Min.
Sensory 12 SE: folgt!

Was mir im Vergleich der Zeiten auffiel: Sie sind nicht mit denen von Elite Budapest und Glasgow vergleichbar, was dafür spricht das Fidelity - wie so oft - veränderte Programme in die Sensory 12 verbaut hat.

Nachtrag: Einen Schachcomputer im Sensory 12 Gehäuse hätte ich fast vergessen. Es ist der unter der Bezeichnung RCS erschienene Granit. Da hatte Peter Reckwitz aus seiner Zeit für Fidelity Deutschland noch einige Gehäuse übrig:)

Donnerstag, 23. Februar 2017

Die Metamorphosen der morschen Sphinx

Die Artikel über die "morsche Sphinx" aus der österreichischen Zeitschrift Modul sind legendär. Zwischen Ausgabe 3/1988 - 2/1991 von Thomas Mally in seinem humorigen Sprachstil verfasst, wird hier über die Unzulänglichkeiten der Software von Programmierer Frans Morsch berichtet. Nach dem Weggang von Mephisto hatte Morsch sein vom Supermondial bekanntes Programm komplett umgeschrieben, dabei aber derart viele Bugs eingebaut, das es insgesamt über zwei Jahre dauerte diese zu bereinigen. Folgende Programmversionen sind bekannt:


V1.03 - 3/1988
V2.00 - 4/1988
V2.03 - 4/1988
V2.04 - 4/1989
V2.05 - 2/1991

Dazu gibt es neben der Vielzahl an Programmversionen auch eine ebensolche an verschiedenen Gehäusen mit unterschiedlichen Bezeichnungen: Die Metamorphosen der Sphinx! Beginnen wir mit der ersten Variante:

CXG Sphinx Galaxy - im bekannten Gehäuse des Super Enterprise. Wurde mit V1.03 und 2.00 ausgeliefert.

CXG Sphinx Dominator - mit 64 Feld LEDs, Gehäuse ansonsten baugleich mit Sphinx Titan und Sphinx Royal. Bekannte Programmversionen sind V2.00, V2.03, V2.04 und V2.05.

CXG Sphinx 40 Plus - im Holzgewand der Sphinx 40 ausgeliefert. Es existieren nur Geräte mit V2.00.

CXG Sphinx Commander - vom Commander gibt es zwei optisch unterschiedliche Varianten. Die meisten sind, wie die Sphinx 40 Plus, im modularen Brett der Sphinx 40 hergestellt worden. Wenige Exemplare wurden auch in dem älteren Holzbrett des Chess 3008 produziert. Eingebaute Programmversion hier: V2.04

Mephisto Modena - Nach seiner Rückkehr zu Mephisto, wurde das Programm auch noch in einem Gerät der Laptop-Serie verbaut. Hier die fehlerfreie V2.05.

Immerhin hatte sich Frans Morsch damals noch die Mühe gemacht und Bugs behoben. In seinen Kreationen ab Mitte der 90er Jahre herrscht da Fehlanzeige. Weder der bekannte H8-Bug noch der Senator-Bug wurden je korrigiert.

Samstag, 31. Dezember 2016

Die Farbe Weiß oder ein Kessel Buntes

SciSys Courier V
Die populärste Lackierung bei Sportwagen ist seit jeher Schwarz, ob pur, metallic oder anthrazit-Legierung. Auch bei sportlichen Fahrrädern - wie Rennrad oder MTB - liegt schwarz ganz vorne, vor allem seit der Werkstoff Carbon hier für den Rahmenbau verwendet wird. Anscheinend verbindet man mit schwarz mehr Leistung, Geschwindigkeit und Aggressivität.

Bei Schachcomputern ist es ähnlich. Die Luxusklasse wird natürlich im Holzbrett produziert, aber bei den Plastikmodellen herrscht schwarz vor. Nur ganz wenige sind mit der Reinheit und Frieden assoziierenden Farbe Weiß lackiert. Wer will schon von vornherein nur ein Remis? Noch seltener gar wird es bunt bei den Schachcomputern. Es folgt der Versuch einer vollständigen Auflistung dieser Farbtupfer.

- SciSys Courier V: In seiner Farbgebung (Weiß-Rot-Gold) einmalig. Wurde nur für den französischen Markt produziert und ist dementsprechend selten. Baugleich zum SciSys Travel Mate II.

- Novag Uno: Nicht nur die Spielfeldumrandung ist weiß, auch die Spielfelder sind in weiß-schwarz aufgeteilt und sogar das Netzteil komplett in weiß. Novag hat auch später immer mal wieder einen Schachcomputer mit weißem Gehäuse produziert, den Novag Aquamarine Premier, Novag Coral, Novag Condor.

- Peri Beta: Die Firma Peri war dafür bekannt extravagante Gehäuse zu bauen. Der Beta ist weiß und ultra-flach, wie immer bei Peri mit einem Fidelity Programm ausgestattet.

- Mephisto Beach: Der Name suggeriert schon Strand & Sonne, dementsprechend gab es den Beach in knall-gelb und rot. Dazu eine Uhr mit farblich passendem Armband.

- Mephisto Bistro: Das Pendant zum Beach war der Bistro, mit Drucksensorbrett und ebenfalls in gelb oder in rot erhältlich. Als Goodies gab es eine Geldbörse und einen kleinen Hüftbeutel.

- Lexibook Chessman FX Elite: Die Discokugel unter den Schachcomputern. In edlem Weiß und hellen Blautönen. Zur Begrüßung und bei Schlag-/Schachzügen ertönen Fanfaren. Jeder Zug wird durch Blinken aller überquerten Felder optisch inszeniert. Muss man gesehen haben.

- Fidelity Poppy: Quietschend-rot kommt der Poppy daher. Bereits 1983 hatte Fidelity die Idee einen Schachcomputer für Kinder auf den Markt zu bringen. Ein Verkaufserfolg wurde es nicht, weshalb der Poppy heute selten.

- Elektronika: Siehe dazu auch mein Blog-Bericht. Diese russische Firma verwendete grundsätzlich das gleiche Grundgehäuse in weiß, nur die Tastaturbelegung wurde je nach Modell verändert.

- Commodore Chessmate: Mit Sicherheit der Erste in Weiß! Von 1978 mit Programm von Peter Jennings. Wenn auch viele Gehäuse mittlerweile nachgedunkelt sind und eher cremefarben.

- Splice Byte XD-300: Ein Klone des Fidelity Chess Challenger 7. Hergestellt in Brasilien mit weißem Gehäuse.

- Maestro Schachprofessor: Hergestellt von Stadlbauer in Österreich für Kinder und Anfänger. Mit vielen Lernfunktionen und Sprachausgabe.

- Millennium Schachpartner III: Komplett in weiß gehalten. Da Millennium ihre Schachcomputer in vielen Varianten und multiplen Vertriebskanälen (u.a. Aldi, Lidl)
absetzt, dürfte es noch andere Namensbezeichnungen geben.

- Lang LJ-675: Hersteller aus Hongkong. Produziert nur Reisegeräte mit LCD-Schachbrett. Dieses ist auffälig in Weíß und Orange gehalten.

- Tryom CC700: Bekannt ist der Tryom in dunkelbraunem Gehäuse, doch ganz wenige Stücke wurden auch in weiß produziert. Die Schachprogramme beider Versionen sind identisch.

Samstag, 29. Oktober 2016

Plymate Victoria: Der letzte Conchess

Programmmodul Plymate Victoria
Wir gehen zurück in die späten 80er Jahre: Die Firma Conchess ist längst vom Markt verschwunden, doch der Schwede Ulf Rathsman, Programmierer der Module für Conchess, versuchte es nun in Eigenregie. Mit einem privaten Mäzen im Rücken, trat er bei den Weltmeisterschaften in Rom 1987Almeria 1988 und Portoroz 1989 an - meistens unter dem Namen Plymate. Um überhaupt konkurrenzfähig zu sein, wurde das normale Modul im Conchess-Brett "aufgebohrt" durch ein Turbo Kit von Schaetzle + Bsteh. Außerdem waren die Eröffnungsbibliotheken extrem groß und mit einigen Fallen versehen. Der Name des Buchautoren war Sandro Necchi, in den 90ern vor allem durch seine Arbeit für MChess bekannt geworden.


Buch 1-4
Man konnte zwar Achtungserfolge erzielen, blieb aber hinter den großen Namen Mephisto und/oder Fidelity klar zurück. Da sich kein neuer Kontrakt mit einem der großen Hersteller ergab, ließ Rathsman seine Module in kleinen Stückzahlen weiterhin für die alten Conchess Bretter produzieren. Nach der WM in Rom erschien das "Plymate Roma", welches sogar in der SSDF-Liste mit 1918 ELO aufgeführt wurde. Für kurze Zeit sah es aus, als ob Saitek gewillt war ein Brute Force-Modul mit diesem Programm auf den Markt zu werfen, aber nach langer Wartezeit wurde der Plan gestoppt. Erst Anfang der 90er Jahre brachte man ein Modul mit dieser Bezeichnung heraus - ohne Rathsman, dafür mit Frans Morsch.

Es wurde sehr still um den Schweden, als er plötzlich 1990/91 nochmals eine neue Programmversion anbot: Conchess Plymate Victoria - das letzte Modul für diese Serie! Die Eröffnungsbibliothek von Sandro Necchi ist in einem separaten Modul und bestand aus gewaltigen 128.000 Halbzügen, welche in acht untereinander kombinierbare Einzelbücher aufgeteilt waren.

Die Stellungsbewertung
1. MASTER: Von Necchi seit der WM in Rom 1987 immer weiter entwickelt worden. Beginnt ausschließlich mit 1.e4 mit Varianten bis tief ins Mittelspiel; im Durchschnitt 15 Züge.
2. Championship Collection: Beruht auf dem Buch der WM in Amsterdam 1985 und Köln 1986. Die Varianten sind kürzer als im MASTER-Buch.
3. Plymate Classic: Ist das Standard-Eröffnungsbuch aus den kommerziell erhältlichen Conchess-Modulen.
4. Budapester Gambit: Spezialbibliothek für das Budapester Gambit.
5. Library No. 5 - 8: Vorgabe des Eröffnungszuges; 5=e4, 6=d4, 7=c4, 8=Sf3

Das Programmmodul war mit 6 MHz getaktet (12,2 MHz Quarz) und kam mit einer Mini-Bibliothek von unter 100 Zügen daher. In älteren Modulen konnte man sich bereits die Suchtiefe und zwei Halbzüge der Hauptvariante über die LEDs der Conchess Bretter anzeigen lassen. Als Neuerung kam beim Plymate Victoria die Stellungsbewertung hinzu: Diese wird über die LEDs am Brettrand angezeigt. Hat man gleichzeitig noch die anderen Infoanzeigen aktiviert, mutiert der Conchess Schachcomputer zur blinkenden Lichtorgel.

Leider fehlt mir das Eröffnungsmodul, was das Spiel sehr erschwert. So kommen oft krude Varianten aufs Brett und das Plymate Victoria steht schnell unter Druck. Trotzdem habe ich einige Testspiel gegen andere Schachcomputer gemacht.

Samstag, 22. Oktober 2016

U1500 ELO-Turnier "DDA"

Turniersieger und Platz 2
In der zweiten Jahreshälfte 2015 spielte ich zusammen mit Mitgliedern der Community bei Schachcomputer.info das Deep Depp-Turnier mit Schachcomputern von 700-1300 ELO, nachzulesen auch hier im Blog.

Das Turnier sollte keine Eintagsfliege bleiben, weshalb Anfang 2016 das Nachfolgeturnier begann: das U1500 ELO Deep Depp Advanced. Bedenkzeit wieder 30 Sek/Zug im Durchschnitt und mit möglichst vielen Schachcomputern von denen wenig gespielte Partien im Internet bekannt sind. Insgesamt 18 neue Teilnehmer + 6 Aufsteigern aus dem U1300 Turnier.

Besonders gespannt war ich auf die SciSys Phalanx aus MK IV, Mark V und Mark VI/Philidor. Der MK IV erinnert in vielem an seinen Vorgänger CCSS III, ebenfalls mit einem Programm von Mike Johnson. Auffällig ist seine mit Gambits gespickte Biliothek: Lettisch, Blackmar-Diemer usw, das kann schnell nach hinten losgehen wie auch in folgender Partie:

CXG Computachess III - SciSys Chess Champion MK IV
U1500 DDA (9), 30.04.2016

1.c4 e5 2.Sc3 f5 Buchende Weiss 3.e4 Buchende Schwarz 3...fxe4 4.Dh5+ Ke7 5.Dxe5+ Kf7 6.Dd5+ Kg6 7.Dxe4+ Kf7 8.Dd5+ Kg6 9.Ld3+ Kh6 10.Sf3 Df6 11.0–0 Sc6 12.Se4 Se5 13.Sxf6 Sxf3+ 14.Dxf3 Sxf6 15.Df4+ Kh5 16.Dxc7 Lb4 17.De5+ Kh6 18.f4 Lc5+ 19.Dxc5 g6 20.De7 Sg4 21.Dg5+ Kg7 22.Dxg4 Te8 23.f5 d6 24.Dd4+ Kg8 25.fxg6 hxg6 26.Lxg6 Te5 27.Dxd6 Kg7 28.Tf7+ Kh6 29.Lf5+ Le6 30.Tf6+ Kg7 31.Dxe5 Lxf5 32.Td6+ Kh7 33.Dxf5+ Kh8 34.Tg6 Aufgabe MK IV 1–0 

Über den Mark V, Weltmeister von 1981, sind genügend Geschichten geschrieben, doch sein Nachfolger Mark VI/Philidor ist sehr selten anzutreffen. Vor allem weil SciSys immer wieder technische Probleme mit dem neu entwickelten Magnetsensorbrett hatte, wurde die Auslieferung immer wieder verzögert. Als dann endlich zwei Jahre nach dem Mark V das Mark VI/Philidor auf dem Markt erschien, war es bereits veraltet. In diesem Turnier zeigte es nur durchwachsene Leistungen. Anscheinend rechnet es noch selektiver und ist damit taktisch sehr anfällig, vor allem bei kürzeren Bedenkzeiten. Am Ende blieb ein Platz im Mittelfeld mit 50% erspielter Punkte, während der Mark V einen der Aufstiegsplätze ergatterte.

Kurz vor dem Turnier konnte ich noch einen Exoten für das Turnier gewinnen: den Elektronika IM-01 aus der ehemaligen Sowjetunion. Einen Artikel zu dieser Firma und deren Schachcomputer findet Ihr hier.  Mit ebenfalls 50% erspielter Punkte belegte der "Russe" am Ende Platz 8.

Die Great Game Machine von Applied Concepts nahm gleich mit mehreren Schachprogrammen teil. Natürlich das berühmte Sargon 2.5 von den Spracklens, die Morphy Edition, solo und komplett als Master Chess Trio mit den Erweiterungen Gruenfeld-S und Capablanca-S. Als Experiment hatte ich noch die pure Kombination der Erweiterungsmodule "Gruenfeld-S/Capablanca-S" gewählt, d.h. nach dem Eröffnungsmodul folgte sofort das Endspielmodul. Im Buch Schach dem Computer wird explizit erwähnt, dass diese Kombination Sinn macht, allerdings zeigten sich im Turnier die Mängel recht deutlich. Wenn die Eröffnung durch das Gruenfeld-S nicht abgeschlossen wurde - zB ohne Rochade - ließ das Capablanca-S den König in der Mitte stehen, teilweise sogar ins Zentrum laufen, wie es nach Endspielkriterien auch korrekt ist. Nur in Partien die durch Figurentausch schnell in Richtung Endspiel gingen, konnte diese Kombination überzeugen. Glück & Leid zeigen sich in einer Partie gegen das SciSys Sensor Chess mit Hypermodern Modul.
 
SciSys Sensor Hypermodern - GGM Gruenfeld-S/Capablanca-S
U1500 DDA (5), 2016

1.b3 Sf6 2.Lb2 b6 Buchende Gruenfeld-S 3.Sf3 Sc6 4.d3 Buchende Sensor Hypermodern 4...d5 5.c4 d4!? 6.e3 e5 7.Le2 Lf5 Bb4+! 8.0–0 Lc5 9.exd4 exd4 10.Sbd2 De7 11.Sh4 Ld7 12.Te1 Le6? Rochade ist angesagt, wegen der Fesselung auf der E-Linie 13.Lf3 Kd7? immer wieder das Rochade-Problem beim Capablanca Endspielmodul. Es ist halt darauf programmiert den König zu zentralisieren. 14.Sf5 Lxf5? 15.Txe7+ erst Bxc6+ 15...Sxe7 16.Lxa8 Txa8 17.Df3 Te8 18.Db7? hier steht die Dame im Abseits 18...Sc6! 19.Se4? Sxe4 20.dxe4 Txe4 21.a4? Te2 Pd3! 22.La3?? übersieht das Grundreihenmatt 22...Lxa3 23.f3 Ld6 wieder Pd3! 24.h3 Lc2 25.Kf1 Td2 26.b4 Lxb4 27.Kg1 d3 28.Ta2? Td1+ 29.Kh2 Ld6+ 30.f4 Lxf4+ 31.g3 Td2+ 32.Kh1 Lxg3 33.Kg1 Th2 34.Ta3 Txh3 Pd2! 35.Ta1 h5 36.Tf1 Sd8?? lässt die weiße Dame frei 37.Dxa7?? doch Weiß nutzt die Chance nicht [37.Dd5+ Ke7 38.Kg2 Th4 39.Kxg3 Tg4+ 40.Kh2÷] 37...d2 38.c5 Le1 39.c6+ Kd6 40.Db8 Se6! 41.Txf7 Tg3+ 42.Kh1 Le4+ 43.Kh2 Tg2+ 44.Kh1 Tg4+ 45.Kh2 Th4+ 46.Kg1 Th1# 0–1

Kurzpartien gab es in diesem Turnier eher selten, wenn dann durch übersehene Mattbilder, die längste Partie ging über 123 Züge zwischen Mephisto Touch Screen Travel Chess - SciSys Mark V und endete Remis. Den Turniersieg machten die beiden ELO-Favoriten unter sich aus, am Ende klar auf Platz 1 - das Mephisto III "Brikett". Positionell war es in diesem Feld überlegen und die taktischen Schwächen konnte nur der Sensor Hypermodern ausnutzen in einer Partie aus einem Guss.

Mephisto III - SciSys Sensor Hypermodern
U1500 DDA (2), 2016

1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.c4 Lg7 4.Sc3 0–0 5.e4 d6 6.Le2 letzter Buchzug Mephi III 6...c5 letzter Buchzug Sensor Hypermodern 7.0–0 cxd4 8.Sxd4 Sc6 9.Sxc6 bxc6 10.Lf4 e5 11.Lg5 h6 12.Lh4 g5 13.Lg3 Le6 14.Tc1 Tb8 15.Dd2 d5! 16.exd5 cxd5 17.Lxe5 dxc4 18.Tfd1 Dxd2 19.Txd2 Tbd8 20.Ld6 Tfe8 21.Tcd1 h5 22.Sb5? Se4! 23.Tc2 Lf5 24.Lc7?? Txd1+ 25.Lxd1 Sc3 26.g4 Lxc2 27.Sxc3 Lxd1 28.Sxd1 Te1+ 29.Kg2 Txd1 30.a4 hxg4 31.Lb8 a6 32.h3 gxh3+ 33.Kf3 Lxb2 34.Lf4 Aufgabe Mephisto III 34...gxf4 Vom Sensor Hypermodern aus einem Guss gespielt 0–1


Platz 1-6 finden sich als Aufsteiger im nächsten Turnier der ELO-Klasse bis 1700.

Montag, 17. Oktober 2016

Novag Quattro-Forte-Symphonie

Novag Constellation Quattro
Die Namensgebung für ein Produkt ist immer eine heikle Sache, vor allem wenn dieses für den internationalen Markt bestimmt ist, wie zb Schachcomputer. Schon früh hat man seitens der Hersteller Begriffe wie Super, Turbo, Mega, Star verwendet, um die besondere Qualität und Leistung herauszustellen. Ein anderer Weg war eine klare Produktlinie vorzugeben, so dass der Verbraucher den Schachcomputer direkt einer Firma zuordnen konnte. Bekannt waren Städtenamen bei Mephisto, bekannte Großmeister bei Applied Concepts und Edelsteine bei Novag.

Matt in 4!
Bevor Novag Anfang der 90er zu den Edelsteinen griff, nutzte man für eine kurze Zeit Begriffe aus der klassischen Musik. Im Marketing dachte man wohl Schachspieler haben eine hohe Affinität zum Thema Klassik. Jedenfalls trugen die Novag's nun klingende Namen wie Accord, Allegro, Forte und Quattro - eine schöne Übersicht findet man im Novag Prospekt von 1986 auf der Seite von Sammler Hein Veldhuis. Dabei entstanden zwei der schönsten Schachcomputer aus Plastik. Der Novag Constellation Quattro und der Novag Constellation Forte. Beide mit identischem Gehäuse in Holz-Optik und roten Rand-LEDs, während die LEDs im Bedienfeld grün leuchten. Das Sensorbrett ist formidabel, spricht auch nach 30 Jahren immer noch auf leichten Druck sehr definiert an. Ist zudem ausreichend groß für einen guten Überblick in der Partie.

Während man in Deutschland Quattro mit einem Allradantrieb-Auto verbindet, steht es beim Novag Quattro für die 4 MHz Prozessor-Taktung. Entwickelt als Mittelklasse-Gerät sieht es m.E. sehr edel aus. Wie beim Super-Conny lässt sich die Rechentiefe über die Rand-LEDs anzeigen. Da anno 1986 fast ausschließlich die Spielstärke zählte, sind vom Quattro nicht viele über die Ladentheke gegangen. Wesentlich mehr konnte Novag vom neuen Spitzenmodell, dem Constellation Forte, absetzen. Dort wo sich beim Quattro eine (optisch schicke) schwarze Abdeckung befindet, hat der Forte ein 10-stelliges LCD. Nach langen Jahren hatte Novag endlich ein einsehen und das Kittinger-Flaggschiff mit einem informativen Display ausgestattet. Neben den Standards wie Züge, Stellungsbewertung, Hauptvariante und Rechentiefe, werden auch die NPS und die kumulierten Werte angezeigt. Weiters wurde erstmals - gleichzeitig mit dem SciSys Leonardo - eine Schnittstelle zum PC geschaffen. In CSS 4/1987 wurde die Verbindung einem Praxistest unterzogen.

Der musikalische Ausflug endete recht schnell. Schade, man hätte sonst auch andere Musikrichtungen aufgreifen können - einen Novag Metallica würde ich mir bestimmt zulegen:-)