Donnerstag, 23. Juni 2016

Die Elektronika-Familie aus St. Petersburg

Die klassischen Produzenten von Schachcomputern ab Ende der 70er kamen aus den U.S.A. und Fernost, sprich Hongkong. Anfang der 80er gesellten sich in Europa Deutschland (mit Mephisto) und England, vereinzelt auch Frankreich dazu. Alles kapitalistisch geprägte Staaten!

Natürlich wollte man dem in den kommunistischen Ländern des Warschauer Pakts etwas entgegensetzen, doch wer sich erinnern kann wie es dort mit dem technischen Fortschritt bestellt war, weiß um die Schwierigkeiten einer solchen Produktion. So existieren fast ausschließlich Klone von West-Schachcomputern. Die Ausnahmen sind der Chess Master Diamond aus der DDR und die Geräte der Elektronika-Familie aus Leningrad bzw. St. Petersburg.

Electronika (Электроника) ist der Markenname für Heimcomputer, Taschenrechner und elektronische Spielgeräte aus der ehemaligen UdSSR. Produziert wurden diese in den Svetlana-Werken in Leningrad, später St. Petersburg. Die Bezeichnung IM steht dabei für "Mikroprozessor-Spiel". Ab 1986 entstand so der erste(?) Schachcomputer aus der UdSSR - der Elektronika IM-01. Ein 8KB Programm von V.Petrenko (laut ICCA Journal Vol 11) mit einem 16(!)-Bit Prozessor. Nach dem Zerfall der Sowjetunion kam ca. 1992 der Nachfolger Elektronika IM-01T heraus. Die Bedienung und Gehäuse waren identisch und manchmal auch das Schachprogramm. Wieso manchmal?  Wo IM-01 drauf steht steckt mitunter ein IM-01T drin! Entweder wurden die Gehäuse mehrfach verwendet oder das Programm einfach in laufender Produktion verändert. Das lässt sich heute wohl nicht mehr klären. Erkennen lassen sich die unterschiedlichen Versionen ganz einfach an der Anzahl der Spielstufen: "früher" IM-01 = sechs; "später" IM-01/IM-01T = sieben!

Schwarz hat gewonnen!
1993 kam dann der letzte Schachcomputer aus St.Petersburg: der Elektronika IM-05. Mit verbessertem 24KB ROM Programm und einer leicht veränderten Bedienstruktur. Nach langem Tüfteln mit der kyrillischen Bedienungsanleitung, konnte ich der "Kiste" sogar eine Infoanzeige entlocken. Neben Zugzeiten für Weiß/Schwarz und dem besten berechneten Zug, zeigt der IM-05 auch die Suchtiefe inklusive Ast an. Als einziger mir bekannter Schachcomputer übrigens den Ast abwärts(!) zählend. Mittlerweile bekomme ich sogar eine Bauernumwandlung hin, nur eine Stellungseingabe bereitet noch Probleme.

Der IM-01/IM-01T dürfte nach rund 20 Aktivschachpartien bei 1400 ELO liegen. Im Spielaufbau zeigt er sich auch etwas stärkeren Kontrahenten gewachsen, verspielt Vorteile dann aber oft durch taktische Patzer. Dem IM-05 merkt man das größere und stärkere Programm sowie die schnellere Hardware an. Es besitzt im Gegensatz zu seinen Vorgängern ein PermanentBrain, welches ähnlich dem SciSys Turbo 16K zur Sofortantwort neigt. Hier zwei Partien gegen den SciSys Superstar 36K.

SciSys Superstar 36K - Elektronika IM–05

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.Lb5 Sd4 Buchende Elektronika IM–05 5.Sxd4 exd4 6.e5 dxc3 7.exf6 Buchende Superstar 36K 7...cxd2+ 8.Dxd2 Dxf6 9.0–0 c6 10.Lc4 d5 11.Lb3 Le7 12.Te1 0–0 13.De3 Le6 14.c3 Tfe8 15.Ld2 Dg6 16.a4 c5 17.Df4 c4 18.Ld1 Tad8 19.b4 b6 20.Lf3 h5 21.De5 h4 22.Df4 h3 23.a5 hxg2 24.axb6 Ld6 25.Dd4 Dh7 [25...Lxh2+! 26.Kxh2 g1D+ 27.Txg1 Dh7+ 28.Kg3 Dh3+ 29.Kf4 Dh2+] 26.Lxg2?? Lxh2+? Qxh2! 27.Kf1 axb6 28.Dxb6? d4 29.Te4 d3? 30.Ta7 Dh5 31.f3 Lh3 32.Txe8+? Txe8 33.Dc6 Te2 34.Ta8+ Kh7 35.Th8+ Kxh8 36.Da8+ Lb8? [36...Kh7 37.De4+ Txe4 38.Le3 Dxf3+ 39.Ke1 De2#] 37.Dxb8+ Kh7 38.Dg3 Txg2 39.Df2 Kg8 40.Lf4 Dg6 41.Ke1 Txf2 42.Kxf2 Dg2+ 43.Ke3 d2 44.Le5 d1D 45.Lxg7 Dgxf3# 0–1

Elektronika IM–05 - SciSys Superstar 36K

1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.Sc3 Buchende Elektronika IM–05 4...Dd7 Buchende Superstar 36K 5.Sf3 e6 6.a3 Se7 7.Lg5 h6 8.Ld2 f6?! 9.Le2 Le4 10.exf6 gxf6 11.Sh4 Lg7 12.Sxe4 dxe4 13.Lh5+ Kf8 14.Lb4 Kg8 15.De2 Sf5 16.Dxe4 Sxd4 17.0–0–0 f5 18.Df4 e5 19.Dg3 a5? 20.Lc5 f4 21.Dd3 Dd5? 22.Lxd4 exd4 23.Sf5 Kf8 24.Sxg7 Tg8? 25.Tde1 Dd8 26.Dg6 De7 27.Txe7 Kxe7 28.Sf5+ Kd8 29.Dxg8+ Kc7 30.Sxh6 b5 31.Lf3 Kb6 32.Sf5 d3 33.Dd8+ Ka6 34.Lxc6 d2+ 35.Kxd2 Sxc6 36.Dxa8+ Kb6 37.g4 fxg3 38.hxg3 a4 39.Th6 b4 40.Txc6+ Kb5 41.Da6# 1–0





 

Montag, 11. April 2016

Mephisto III Special 12 MHz

Seit kurzer Zeit bin ich Besitzer eines "Schmuckkästchens", so würde ich ihn bezeichnen. Gemeint ist der bei Schachcomputer-Fans beliebte Mephisto III Brikett mit dem kleinen Zusatz "Special". Dieser kennzeichnet ihn als sehr seltene Variante mit 12 MHz eingebaut. Von Ossi Weiners Hobby-Computer-Centrale (HCC) wurden diese in geringer Stückzahl angeboten, um den selektiv rechnenden, taktisch unterlegenen Mephisto gegenüber Brute-Force Rechnern konkurrenzfähig zu machen. Für einen Aufpreis von 295,- DM zum Standard Mephisto III, konnte man diesen erwerben. Neben der höheren Geschwindigkeit, sind auch am Eröffnungsbuch Änderungen vorgenommen worden. Der "Special" bleibt oft länger im Buch.

Vergleicht man die Anzahl der berechneten Knoten, so liegt die 12 MHz-Version ungefähr in der Mitte zwischen dem Standard Mephisto III und dem Mephisto Excalibur - noch seltener, wesentlich teurer und der erste Schachcomputer mit 68000 Motorola Prozessor.

Retro WM 1983
Paradeismühle


Beim jährlichen Treffen von Schachcomputerfreunden in Klingenberg, sollte der Mephisto III Special zeigen was er kann. In einer kleineren Gruppe wurde versucht die WM 1983 Budapest so gut es geht nachzustellen. Mangels Verfügbarkeit eines Mephisto Excalibur, sprang der kleine MIII12MHz in die Bresche. Eine Übersicht aller Teilnehmer und der gespielten Partien finden sich auf der Turnierseite 15. Oldie Turnier 2016 bei Schachcomputer.info. Die Partien des Mephisto sind komprimiert im Forums-Thread zu Klingenberg 2016 veröffentlicht.

In Runde 1 gewann der MIII12 mit einem Angriff am Damenflügel überzeugend gegen den CXG Chess 2001. Runde 2 brachte eine Auslosung gegen den Turnierfavoriten und Sieger in 1983: Fidelity Elite A/S Budapest. In der Eröffnung blieb der MIII12 länger in der Bibliothek, konnte Weiß um sein Rochaderecht bringen und später eine Figur gewinnen. Das Endspiel endete nach Abtausch eines potenziellen Freibauern remis.


Selektivanzeige: 15 Halbzüge
Runde 3 bescherte einen weiteren Favoriten als Gegner - den Novag Constellation 3.6. Taktisch mit Sicherheit stärker einzuordnen als der MIII12, doch erneut lag dieser mit seiner Eröffnungsvariante besser. Schon früh holte sich der MIII12 einen Qualitätsvorteil, mit der Umsetzung zum Sieg haperte es dann lange. Erst im 76. Zug durfte der volle Punkt notiert werden. In Partie 4 ging es erneut gegen den Novag Constellation, dieses mal der langsamere Bruder mit 2 MHz. Hier ist es ausgerechnet der Brute-Force Rechner, der taktisch daneben liegt und seine Dame durch eine Kombination verliert. Somit nach der 4. Runde Platz 1 mit 3,5 Punkten für den MIII12.

Das vorweggenommene Finale folgte in Runde 5 gegen den Fidelity Sensory 12. Lange Zeit ausgeglichen, hatte der MIII12 im 35. Zug die Chance auf einen K.O.-Schlag durch Tc3! mit Gewinn des Läufers. Stattdessen spielte er 35.Sd4 und verpatzte es selber mit 40.De5??, wodurch der Sensory 12 die Führung übernahm.

Die letzte Partie gegen den Fidelity Sensory 9 lässt sich nicht in Worte fassen. Nachspielen und staunen! Das Turnier endete für den Mephisto III Special mit einem sehr guten zweiten Platz.


Mephisto III Special 12MHz - Fidelity Sensory 9 [A30]

Retro WM 83 (6), 2016


1.c4 c5 2.Sf3 Sf6 3.e3 d6 4.Le2 Lf5 5.0–0 Sc6 6.Sc3 e5 7.d4 Le7 8.d5 Sb4 9.Da4+ Ld7 10.Db3 0–0 11.a3 Sa6 12.Dxb7 Sc7 13.Ld2 Tb8 14.Dxa7 Txb2 15.e4 Db8 16.Da5 Ld8 17.Tfb1 Scxd5 18.Dxd8 Txd8 19.exd5 Lf5 20.Txb2 Dxb2 21.Ta2 Db3 22.Sg5 Tb8 23.a4 Se4 24.Sgxe4 Lxe4 25.a5 Lb1 26.Ta1 Dc2 27.Le1 Tb2 28.a6 Dc1 29.Ld1 Kf8 30.a7 Ke7 31.a8D e4 32.Ta7+ Kf6 33.Dd8+ Ke5 34.Txf7 Ld3 35.Txg7 Lc2 36.Se2 Kf5 37.Df8+ Ke5 38.Te7# 1–0

 
Im Turniersaal



 


Mittwoch, 20. Januar 2016

SciSys Sensor Chess - der mit der Goldkante

Interessiert man sich für alte Schachcomputer, kann man um diese Serie von SciSys keinen Bogen machen. Es ist die erste Auftragsarbeit von Julio Kaplan für SciSys. Von der Spielstärke noch kein großer Wurf, doch für 4 KB ROM sehr solide. Vor allem die Ausstattung mit 64 Feld LEDs in einem Plastikgehäuse gehörte im Jahr 1981 zu den Ausnahmen. Das Schachprogramm war in einem austauschbaren Modul untergebracht, für spätere Entwicklungen.

Die Grundgeräte gab es in zwei Varianten: Schlicht in grau-schwarzer Farbgebung und in der weitaus schöneren Holzimitation. Besonders hervorzuheben sind hier die dezent unter einer Folie leuchtenden LEDs, sowie die schicke Goldleiste um das Gehäuse. Die Idee mit der transparenten Folie über den LEDs griff Mephisto in den neueren Modellen des Modular wieder auf.

Sehr gesucht sind heute die Sensor Chess Module. Insbesondere das Classical Style Super Strong und das Hypermodern Super Strong brachten mit Ihrer Erweiterung auf 8 KB ROM eine spürbare Veränderung in Eröffnung und Spielstil. Während das "Klassik"-Modul auf Eröffnungen wie Spanisch, Italienisch, Sizilianisch oder Damengambit abgestimmt wurde, hatte man sich beim "Hypermodern"-Modul die Meister vom Anfang des 20. Jahrhunderts als Vorbild genommen. Es spielt wirklich nur Eröffnungen à la Reti, Nimzowitsch, Aljechin & Co. Fianchetto- und indische Eröffnungen gehören zum Standardrepertoire.

Auch wenn ich dem SciSys Sensor Chess mit Modulen maximal 1400 ELO attestiere, macht das Schachspielen mit diesem schönen Stück Schachcomputergeschichte großen Spaß.  Partien von Sensor Chess gegen Gegner bis 1500 ELO finden sich im Thread bei Schachcomputer.info:
U1500 Turnier Deep Depp Advanced

Donnerstag, 7. Januar 2016

Fidelity Designer auf Steroid

Mit der Designer-Familie war Fidelity sehr erfolgreich. Ein modern gestaltetes, flaches Sensorbrett mit LCD Anzeige bildete den Rahmen für unterschiedliche Versionen - vom 8 Bit Designer 2000 bis zum 32-Bitter Designer 2325 Master mit Mach IV-Programm. Dieses sollte 24 Jahre lang der stärkste Fidelity-Plastikbomber bleiben. In 2015 kamen dann aus dem bekannten Hardware-Labor von SteveUK neue Platinen für die Designer mit Display auf den Markt.

Ich konnte nicht lange innehalten und besorgte mir so eine Platine, um diese in einen Designer 2000 Display einzubauen. Schnell das Gehäuse aufgeschraubt, Platine gewechselt und das Flachbandkabel umgesteckt - fertig. Doch wie nennt man so ein Monster?" Beim 15. DACH-Turnier in Kaufbeuren wurde "Mach 5" vorgeschlagen in Anlehnung an die Mach-Serie von Fidelity, eine andere Idee war "Designer V9". Am genauesten ist es bei Nicht-Serienmodellen immer das Kind beim (Hardware-)Namen zu nennen. Ergo: "Designer 68030 50 MHz"

Die Hardwareausstattung der Platine entspricht zum großen Teil der des Fidelity Avantgarde Version 9, allerdings ist jener "nur" mit 32 MHz getaktet, hat aber den größeren Speicher für Hash-Tables - 1024KB statt 512KB beim Designer. Von der Spielstärke dürften sich beide Varianten ungefähr die Waage halten. Für Puristen ist solch ein Umbau natürlich nichts, diese Entscheidung sollte jeder für sich treffen. Und ehrlich: einen Designer 2265 oder 2325 belasse ich auch lieber im Originalzustand.

Aktuelle Partien des Designer 68030 50 MHz findet man hier: 12. Online Aktiv WM 2016 von Schachcomputer.info

Sonntag, 27. Dezember 2015

Der Mephisto Senator Bug

Nachdem Saitek 1994 Hegener + Glaser mit seiner Marke Mephisto übernommen hatte, wurde es ruhig um die modulare Baureihe. Erst 1998 sollte ein letzter Kraftakt zwei Nachfolger generieren: den Mephisto Magellan und den Mephisto Senator.

Aus Kostengründen verwendete man identische Platinen und Bausteine für beide Module, heißt Prozessor, ROM, RAM, Takt und sogar das Programm waren identisch. Worin lag also der Unterschied? Ganz einfach, die Aufschrift "Hash Tables" am Magellan verrät es. Dieser wurde zusätzlich mit einem 512 KB-Chip ausgestattet, für ein verbessertes Mittel- und Endspiel.

So weit, so gut, wäre da nicht eine ELO Differenz von 111 Punkten in der Aktivschach Elo Liste bei Schachcomputer.info, was ordentlich ist. Ein Wettkampf Leonardo Maestro B Turbo Kit 18MHz - Mephisto Senator öffnete mir sodann die Augen. Zwei Mal spielte der Senator ein Dauerschach aus, obwohl der Stellungsvorteil eindeutig war. Wie konnte das passieren?

Es folgt 66.Td2+?
Hier eine der beiden Partien nach 65...Kd6. Es folgt 66.Td2+? Ke7 67.Te2+? Kd6 68.Td2+?? Ke7 remis, trotz Vorteil eines Läufers und einem Freibauern auf D7.

Eine weitere Partie Mephisto Senator-Mephisto Risc 1MB wurde gespielt von Dirk:

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Bc5 4. c3 Nf6 5. d3 d6 6. b4 Bb6 7. a4 a5 8. b5 Ne7 9. Qb3 O-O 10. Nbd2 Ng6 11. O-O Nf4 12. d4 exd4 13. cxd4 d5 14. exd5 Re8 15. d6 Be6 16. dxc7 Qxc7 17. Bb2 Rac8 18. Bxe6 Ne2+ 19. Kh1 Rxe6 20. d5 Re7 21. Bxf6 gxf6 22. Rad1 Kh8 23. Nb1 Qd6 24. Rd2 Rce8 25. Na3 Bc5 26. Nc4 Qd8 27. d6 Rd7 28. Re1 Nd4 29. Rxe8+ Qxe8 30. Qb2 Nxf3 31. Qxf6+ Kg8 32. gxf3 Qe1+ 33. Kg2 Qe6 34. Qxe6 fxe6 35. Rd3 b6 36. Kg3 Kg7 37. Rd2 Kf6 38. Kf4 Bb4 39. Rd3 Bc5 40. Ke4 h6 41. h3 h5 42. Rd2 Kg7 43. Ke5 Kf7 44. f4 Rd8 45. f5 exf5 46. Kxf5 Bb4 47. Rd3 Bc5 48. f4 Kf8 49. Kg5 Kg7 50. d7 h4 51. Kxh4 Kf6 52. Kg4 Rg8+ 53. Kf3 Rd8 54. Ke4 Ke6 55. Ne5 Kf6 56. Ng4+ Ke7 57. Ne5 Kf6 58. Ng4+ Ke7 59. Ne5 Kf6 1/2-1/2

Es war also klar, hier liegt was im Argen!

Vergleiche mit dem Magellan zeigten: Dieser spielt die Partien korrekt weiter zum Gewinn. Wahrscheinlich werden Stellungswiederholungen und deren Bewertungen in den Hash Tables gespeichert und geben dem Magellan in der Berechnung die richtige Information, während dies beim Senator fehlt. In der Endprüfung bei der Herstellung der Module war dies anscheinend nicht aufgefallen.

Senator-Platine
Magellan-Platine
Für Senator-Besitzer gibt es somit zwei Möglichkeiten:

1. Mit diesem Fehler leben!
2. Nachträglich einen 512K Hash Table Chip einlöten und den Senator zum Magellan upgraden.


Samstag, 12. Dezember 2015

Fidelity Chess Challenger 1: Er kann es doch!

Die Unbeholfenheit des Fidelity CC1 im U1300 ELO Turnier hat mir keine Ruhe gelassen. Mehrfach stand er kurz vor dem Sieg - sprich: dem Matt - doch er zeigte sich unfähig in der Umsetzung oder weigerte sich teilweise sogar weitere Züge auszuspielen. Also blieb mir nur der Selbstversuch nach dem Prinzip: Alles zum Fraß vorwerfen und dabei keine Bauernumwandlung zuzulassen, denn auch diese beherrscht der CC1 nicht. Hier die Partie:

27...Sf2-h3#
Fluppio - Fidelity Chess Challenger 1 [C33]
Matt Test, 2015

1.e4 e5 2.f4 exf4 3.g3 g5 4.d4 Ld6 5.Lxf4 gxf4 6.Sc3 fxg3 7.Dh5 Sf6 8.Lc4 Sxh5 9.hxg3 Sxg3 10.Txh7 Txh7 11.Kf2 Df6+ 12.Sf3 Th5 13.Th1 Sxh1+ 14.Kg2 Dg6+ 15.Sg5 Dxg5+ 16.Kf3 Df6+ 17.Ke2 Dxd4 18.Lxf7+ Kxf7 19.e5 Txe5+ 20.Kf3 Tf5+ 21.Kg2 Sf2 22.Se4 Dxe4+ 23.Kg1 Dxc2 24.Kf1 Dxb2 25.Kg1 Dxa2 26.Kg2 Dd5+ 27.Kg1 Sh3# 0–1

Nach 27 Zügen setzt der CC1 mich matt. Er kann es also doch! Aber wohl eher zufällig;-)

Dienstag, 1. Dezember 2015

Deep Depp - U1300 ELO-Turnier

Lange geplant und immer wieder verschoben. Einerseits weil erst ein geeignetes Teilnehmerfeld mit vielen Oldies aus den 70ern und frühen 80er Jahren am Start sein sollte, andererseits lässt die schachliche Qualität den Bediener mitunter stark leiden.

Aber Anfang September fiel der Startschuss. 24 Schachcomputer zwischen ELO 700-1305, darunter einige von denen nur ganz wenige Partien je veröffentlicht wurden wie vom Vtech Chess Master. Die Bedenkzeit sollte sich am Aktivschach orientieren mit ca. 30 Sek/Zug, doch alleine geeignete Spielstufen zu finden stellte sich bei einigen der Oldies als schwierig heraus. Hier war manchmal nur eine Annäherung möglich oder es gab sowieso nur 1 Level wie beim Fidelity Chess Challenger 1, der außerdem nur mit den schwarzen Spielfiguren spielte. Auch die Eingabe von Spezialzügen wie Rochade und en Passant ließ mich des Öfteren die Bedienungsanleitung bemühen.

Soweit die Vorbereitungen; nun zu den Partien. Wenn man sich mit diesen Sch(w)achcomputern beschäftigt, kommen allerhand Kuriositäten zu Tage. Viele besitzen keine Eröffnungsbibliothek, Conic Computer Chess spielt zB nur 1.d4. Gewonnen ist eigentlich erst wenn Matt, ansonsten kann immer auch die andere Seite Matt setzen. Zwei besonders nette Beispiele gefällig?


statt 16.g3 kommt Kf1??

 
Novag Super System III (1101) - Fidelity CC Voice (1164) [D00]
Deep Depp (8), 2015
1.d4 d5 2.Sc3 Sf6 3.Lf4 Sc6 CC Voice Adv. spielt hier Lf5 4.Sb5 e5 5.dxe5 Se4 6.Dd3 [6.Dxd5 Dxd5 7.Sxc7+ Kd8 8.Sxd5+-] 6...Lf5 7.f3 Sg3 8.e4 Sb4 9.Dc3 Sxc2+ 10.Dxc2 Lb4+ 11.Sc3 Sxh1 12.Da4+ Ld7 13.Dxb4 dxe4 14.Dxe4 Lc6 15.Lb5 Dh4+ 16.Kf1 [16.g3 Dxh2 17.Lxc6+ Kf8 18.0–0–0] 16...Df2# eine der kuriosesten Partien aus dem Turnier 0–1


In dieser Stellung hätte der Fidelity CC3 seinen "Bruder" CC 10c zweizügig Matt setzen können. Stattdessen verliert er noch.

45...Dxd4+ [45...Txd4+ 46.Kc3 Dd3#] 46.Kb3 Txf3+ 47.Ka4 Dxe4 48.Tbc2 Tff7 49.Te5 Da8+ 50.Kb3 Tf3+ 51.Tc3 Tdd3 52.Te8+ Kb7 53.Dxc7+ Ka6 54.Txa8+ Kb5 55.Dc6# Äußerst glücklich für den CC10c. Die Partie war schon verloren. 1-0





Woran ich mich während des Turniers gewöhnte waren die vielen Remis durch Stellungswiederholung, da die meisten Kontrahenten keine Remisregeln einprogrammiert hatten. So kann es oft zu plötzlichen Remisvereinbarungen, die Schnellste bereits nach 15 Zügen im Stile der Großmeister.


Fidelity CC Voice (1164) - CXG Sphinx Chess Card (929) [A34]
Deep Depp (5), 2015
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 c5 4.Sf3 cxd4 5.Dxd4 Sc6 6.Dd3 Sb4 7.Dd2 Le7 8.a3 Sc6 9.Dg5 0–0 10.Lf4 h6 11.Dg3 Sh5 12.Dg4 Sf6 13.Dg3 Sh5 14.Dg4 Sf6 15.Dg3 ½–½

Im Turnierverlauf zeigte sich recht bald wer ein halbwegs akzeptables Schach aufs Spielbrett (oder Display) bringen konnte, und wem es überhaupt nicht gelang Matt zu setzen. Zu Letzteren zählte leider auch der Fidelity CC1. Mehrfach hatte er den Gewinn vor Augen, jedoch ohne Erfolg. Manches Mal hatte ich den Eindruck er "weigert sich zu gewinnen" wie in der nachfolgenden Partie:

Tryom CC-700 (750) - Fidelity Chess Challenger 1 (852) [D20]

Deep Depp (6), 2015


1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.e3 b5 4.Sf3 Lb7 5.De2 Lxf3 6.gxf3 e6 7.Sc3 a6 8.Ld2 Dg5 9.Tb1 Sd7 10.a3 0–0–0 11.Tc1 Sb6 12.Dd1 b4 13.axb4 Lxb4 14.Se4 Db5 15.Lxb4 Dxb4+ 16.Dd2 Db5 17.Lxc4 Sxc4 18.De2 Sxb2 19.Tc2 Sd3+ 20.Kd2 Sb4 21.Dxb5 axb5 22.Tc3 f5 23.Sg3 Sa2 24.Tc5 b4 25.Ta1 b3 26.Tc4 Sf6 27.Ke2 g5 28.h3 f4 29.exf4 gxf4 30.Sf1 Kb7 31.d5 Sxd5 32.Td1 Sac3+ 33.Ke1 Sxd1 34.Sd2 Sb2 35.Td4 e5 36.Te4 Sd3+ 37.Kf1 b2 38.Sb1 Sf6 39.Te2 Kc6 40.Td2 e4 41.fxe4 Sxe4 42.Td1 Sexf2 43.Td2 Sxh3 44.Sa3 The8 45.Sb1 Te1+ 46.Kg2 und in dieser Stellung weigert sich der Fidelity CC1 weitere Züge zu spielen. Ich habe mir die Mühe gemacht und die gesamte Partie nachgespielt, mit dem selben Ergebnis: Der CC1 spielt hier nicht weiter, obwohl er kurz davor ist Matt zu setzen. Die Partie wird als Remis gewertet.[46.Kg2 Tg8+ 47.Kxh3 Th1+ 48.Th2 Sf2+ 49.Kh4 Txh2#] ½–½
 
Bis zur letzten Runde waren die vorderen Plätze stark umkämpft, und fast hätte sich der Mattel Computer Chess mit einer 4er-Siegesserie - der 5te Sieg blieb ihm knapp verwehrt - unter die ersten fünf gespielt. So wurde es nur der undankbare 8. Platz.

Wichtig waren die Platzierungen von 1-6, denn diese berechtigten zum Aufstieg in das nächstfolgende Turnier.

Ein Großteil der Partien sind auch im Thread auf Schachcomputer.info, sowie etwas reduzierter auf Hiarcs.net, veröffentlicht. Hier die Links:

Deep Depp U1300 - schachcomputer.info
Deep Depp U1300 - Hiarcs.net

Verdienter Turniersieger wurde am Ende der SciSys Concord II, überraschend gefolgt vom Zweiten, dem Fidelity Chess Challenger 10b, und dem SciSys Sensor Chess.

SciSys Concord II
Die Abschlusstabelle nach 9 Runden Schweizer System:

 
Player
Rtng
Score
Bhlz
+
=
-
Perf
+/-
1
SciSys Concord II
1300*
7,0
47,0
6
2
1
1361
ELO neu
2
Fidelity CC 10 B
1175
6,5
48,0
6
1
2
1329
+39
3
SciSys Sensor Chess
1250*
6,5
46,5
6
1
2
 1319
ELO neu
4
Fidelity CC Voice Adv.
1164*
6,0
48,0
5
2
2
1272
ELO neu
5
SciSys Sensor
Hypermodern
1300*
6,0
44,0
5
2
2
1266
ELO neu
6
Chess Master Diamond
1147
5,5
48,5
4
3
2
1248
+26
7
Mephisto Junior (Tasten)
1244
5,5
45,5
5
1
3
1193
- 8
8
Mattel ComputerChess
1100*
5,5
41,0
4
3
2
1181
ELO neu
9
Mephisto Supermini
1305
5,5
40,0
4
3
2
1167
-27
10
SciSys Senator Chess
1157
5,0
45,0
5
0
4
1174
+ 7
11
Intelligent Chess
1192
5,0
37,0
4
2
3
1048
-29
12
Fidelity Sensory Voice
1186
4,5
43,5
3
3
3
1141
-10
13
Fidelity CC 10 C
1125
4,5
38,5
4
1
4
1066
-11
14
Novag Solo
 
951
4,0
46,5
4
0
5
1138
+39
15
Fidelity CC Voice
1164
4,0
40,5
3
2
4
1046
-27
16
Novag Super System III
1101
4,0
38,5
3
2
4
 1039
-13
17
Conic ComputerChess
1100*
4,0
38,0
2
4
3
995
ELO neu
18
Chafitz BORIS
 
979
4,0
32,5
3
2
4
957
- 7
19
CXG Sphinx Chess Card
929
3,5
38,0
2
3
4
986
+ 8
20
Fidelity CC 3
 
865
3,0
33,0
2
2
5
898
+ 1
21
TEC Schachcomputer
797
3,0
33,0
2
2
5
873
+10
22
Vtech Chess Master
900*
2,0
34,5
1
2
6
765
ELO neu
23
Fidelity CC 1
 
852
2,0
34,0
0
4
5
792
-18
24
Tryom CC-700
 
790*
1,5
30,5
0
3
6
674
ELO neu

* ELO geschätzt
Tryom CC-700

Die Fortschrittstabelle sieht so aus:

Progressionstabelle nach Runde 9

1 SciSys Concord II 1 2 1 1 1 1 1 2 1

2 Fidelity CC 10b 4 3 6 7 3 2 2 1 2

3 SciSys Sensor Chess 2 5 3 2 5 3 5 3 3

4 Fidelity CC Voice Adv. 5 4 7 5 4 4 3 4 4

5 SciSys Sensor Hypermodern 10 15 13 16 13 9 6 6 5

6 Chessmaster Diamond 8 12 8 6 7 5 4 8 6

7 Mephisto Junior 11 7 4 9 12 8 7 5 7

8 Mattel Computer Chess 14 10 16 20 17 15 12 7 8

9 Mephisto Supermini 16 21 15 11 9 7 9 9 9

10 SciSys Senator Chess 7 1 2 4 2 6 8 12 10

11 Intelligent Chess 12 13 18 13 10 14 15 14 11

12 Fidelity Sensory Voice 3 11 17 12 11 12 11 10 12

13 Fidelity CC 10c 13 8 11 15 20 16 13 11 13

14 Novag Solo 9 9 5 3 6 10 10 13 14

15 Fidelity CC Voice 6 6 10 14 16 19 17 15 15

16 Novag Super System 3 17 19 12 10 14 13 16 17 16

17 Conic Computer Chess 18 14 9 8 8 11 14 16 17

18 Chafitz BORIS 19 20 14 17 19 18 19 19 18

19 CXG Sphinx Chesscard 15 16 19 19 18 20 18 18 19

20 Fidelity CC 3 20 22 23 18 15 17 20 21 20

21 TEC Schachcomputer 23 24 22 24 21 21 21 20 21

22 VTech Chess Master 22 17 24 22 23 23 23 22 22

23 Fidelity CC 1 21 23 20 21 22 22 22 23 23

24 Tryom CC700 24 18 21 23 24 24 24 24 24